Hallo,
Nach längerer Pause bin ich mal wieder zum Experimentieren in die Duka gekommen.
Nachdem ich einiges an Ektachrome E100D Material hier habe und meine E-6 Chemie von Tetenal nach der langen Auszeit natürlich die Flügel gestreckt hat, habe ich mal an einem Abend ein paar Versuche zur Umkehrentwicklung ala "do it yourself" gemacht.
Angeregt durch einige Berichte im APUG-Forum habe ich diverse S/W-Entwickler als Ersatz für den Erstentwickler probiert.
Als Testfilm habe ich 36 Aufnahmen mit dem selben Motiv verschossen und den Film in der Duka in Stücke zerschnitten.
Entwickelt wurden alle Streifen in der Schale.
Alle Streifen wurden gleichzeitig mit Standardwerten des Scanners eingescannt.
Oben links:
Rodinal 1+50. Motiviert durch APUG, wo angeblich jemand mit Rodinal gute Ergebnisse hat.
18 Minuten bei 35 Grad. Trotz nachträglicher Zugabe von 1g/L Kaliumrhodanid war das Ergebnis enttäuschend. Den Blaustich hätte man noch korrigieren können, aber der Entwickler bräuchte deutlich mehr "Dampf" um den Film dichter zu schwärzen.
Das Problem ist, wenn die Schwärzen nicht ganz "durch" die Emulsion gehen, bleibt lichtempfindliche Emulsion übrig, die bei der Zwischenbelichtung und der folgenden Farbentwicklung das Bild zu dunkel macht.
Das kann man also vergessen. Vielleicht muss man den Film stundenlang entwickeln, das ist mir aber zu dumm..
Alle übrigen Streifen:
Atomal 49. Da hatte ich zufällig noch was da.
Dieser Entwickler hat sich als geradezu genial für diesen Zweck herausgestellt. Ohne jedliche Zugabe von Fremdchemikalien und gemäß Ansatzvorschrift (1/2 Beutel für 500ml).
Entwickelt bei 35 Grad 12 Minuten. Der Film wird gut durchgeschwärzt. Es bildet sich etwas leichten Schleier durch die warme und lange Entwicklung. Dieser Schleier stört im Endergebnis aber nicht.
Alle Streifen wurden nach der Erstentwicklung ausgiebig gewässert, damit kein Entwickler mehr in der Emulsion verbleibt.
Danach wurden die Streifen einige Minuten dem hellen Licht ausgesetzt.
Von nun an wurde bei Licht weiterverarbeitet.
Für die nachfolgende Farbentwicklung hatte ich 2 Alternativen: 1. selbstangesetzter ECN-2 Entwickler und 2. C-41 Farbnegativentwickler aus einem angebrauchten Tetenal-Kit. ECN-2 verwendet CD3 als Farbentwickler wie beim originalen E-6 Prozess. C-41 verwendet CD4 und das soll angeblich "falsche Farben" bringen.
Somit mixte ich erstmal etwas ECN-2 Entwickler zusammen. Der stellte sich aber für diesen Zweck als recht lahm heraus.
Oben rechts: Der erste brauchbare Versuch 12 Minuten bei 35 Grad in ECN-2. Das reichte nicht aus. Das Dia ist noch zu dünn. Das Bild ist stark grünstichig. Der erste Versuch mit 6 Minuten (das ist in etwa die Standardzeit bei ECN bei der Temperatur) war viel zu dünn.
Unten links: ECN-2 bei 35 Grad aber 18 Minuten entwickelt. Die Dichte ist jetzt gut, aber das Ergebnis kippt jetzt nach Rot.
Unten rechts: C-41 Entwickler 12 Minuten bei 35 Grad. Ich muss sagen, ich war positiv überrascht. Nur wenig farbstichig und auf Anhieb "knackig". Das beste Ergebnis bisher.

Bleichfixiert wurde in standard C-41 Bleichfixierbad. Dauert recht lange. 10 Minuten mindestens.
Wenn ich mal demnächst im Besitz eines ph-Messgerätes bin, kann ich noch die Farbstiche beseitigen. Die Farben reagieren extrem empfindlich auf den ph-Wert. Man kann den durch Zugabe von Säure oder Lauge abstimmen. Dann passts auch mit der Farbe.
Ich habe nun bei diesem Versuch nur mal sehen wollen, ob es prinzipiell geht. Eine exakte Abstimmung der Entwicklungszeiten habe ich auch noch nicht vorgenommen. Die Zeiten waren "pi mal Daumen" Da kann man natürlich noch optimieren, wenn man will.
E-6 Kits zum Selbstentwickeln werden zunehmend rar und unverschämt teuer. Da ist es nicht schlecht, eine Alternative zu haben.
Wer meint, ich hätte nun Dutzende von Teststreifen für den Versuch benötigt, liegt falsch. Insgesamt habe ich nur diese 4 hier und 3 weitere benötigt, die anfangs gleich für die Tonne waren.
Projiziert habe ich die Dias nicht. Augenscheinlich sehen sie aber hinsichtlich Dichte und Kontrast gut aus.
Für all diejenigen, die mit abgelaufenem Diafilm experimentieren und die Dias eh nur scannen, könnte die Kombination Atomal-49 plus C-41 Entwickler eine billige Alternative zur teueren Diafilmentwicklung sein.
Etwaige leichte Farbstiche, die sich ohne ph-Abgleich kaum vermeiden lassen, können beim Scannen leicht ausgeglichen werden.
Klar - meine "wertvollen" Aufnahmen aus dem Urlaub würde ich jetzt nicht unbedingt im Ersatzprozess entwickeln. Die kommen nach wie vor in das originale E-6 Kit.
Den verwendeten C-41 Entwickler nehme ich sicherheitshalber nicht mehr für meine Farbnegativfilme, sollte doch etwas S/W-Entwckler dort hinein verschleppt worden sein.
Bezüglich Haltbarkeit der Dias: Normalerweise wird Diafilm in einem Stabilisatorbad behandelt, welches Formalin enthält.
Neuere Kits arbeiten angeblich mit einem Ersatzstoff. Ohne Behandlung kann ich nicht sagen, wie langlebig die Dias sind, die mit diesem Verfahren entwickelt wurden.
Gruß
Joachim